Muttis Rache

Rentnerin mit Schrankwand beerdigt

Ungewöhnliche Bedingungen knüpfte Hulda S. an ihr Erbe. Sie wollte unbedingt mit ihrer Schrankwand beerdigt werden, an der sie so hing. Und ihr Sohn Horst sollte sich von seiner Frau Edith trennen, um das Erbe antreten zu können. "Reine Bosheit", vermutet Horst S. "Jahrelang haben wir uns um Mutti rührend gekümmert, haben sie bekocht und jeden Freitag Geburtstag gefeiert. Haben alle ihre Launen mitgemacht. Und jetzt das. Wir sind verzweifelt."

"Sie war eine fröhliche nette alte Dame und sehr auf Tradition bedacht", so Frieda Knarr (96). Was jetzt passiert, der Streit, die Lügen, das hat Hulda S. gewiß nicht verdient. Schuld ist nur die Edith, das Weib von ihrem Sohn Horst". "Da wurde vermutlich nachgeholfen", vermutet ihr langjähriger Anwalt und Testamentsvollstrecker. "Schließlich ging es um ein Grundstück mit Landhaus am See in Schlesien. Von vielen Kostbarkeiten wie einer Videokamera ganz abgesehen". Was sich hier -- mitten in Neukölln -- abspielt, ist eine Tragödie. Daß sich eine nette alte Frau derart an ihrem Sohn und ihren Verwandten rächt, wird vielerorts nicht verstanden. Die Brutalität der Hulda S., ihre kostbare Schrankwand (OTTO-Versand-Wert DM 7.965,-) mit ins Grab zu nehmen, und so ihren verschuldeten Sohn Horst S. noch tiefer ins Unglück zu stürzen, übersteigt die Vorstellungskraft eines jeden anständigen Neuköllner Bürgers. Sicher ist der Glaube des verzweifelten Bürgerpaares Edith S. und Horst S. richtig, Mutti hätte bewußt alles eigefädelt, um das zu schaffen, was sie bei Lebzeiten nicht schaffte. Nämlich sie brutal auseinander zu reißen, um noch aus dem Grab die Fäden weiter in der Hand zu halten. Es wird schon gemunkelt, Hulda S. wäre zurückgekehrt, um Edith und Hotte weiter zu tyrannisieren und zu knechten.

Edith S. bleibt hart: Unsere Liebe gehört uns!

"Sehen Sie, ick bin sehr traurig, ob all den Vorwürfen gegen mich. Ick trau ma schon janich mehr zu Reichekt. Ick bin jetzt richtig prominent. Dit hat mir allet die Alte eingebrockt. Ick hab schon immer gesagt, die is nich janz dicht. Trennung kommt janich in die Tüte. Dafür hab ick nich 30 Jahre gedient und für Hotte die Flaschen gebuckelt."

Hotte S. hilflos:

"Wat soll ick'n machen? Wenn die Edith sagt, det is so, wird's wohl stimmen. Wir kieken uns dit erstmal allet an. Wenn sich's lohnt, wird Edith schon'n Weg finden. Und wenn's klappt mit dem Erbe, koof ick mir mein eigenen Ascona. Und Edith kriegt ne Mikrowelle.

Tastsachenbericht: Hotte S. - So fand ich meine tote Mutti

Dit muß so gegen 20 Uhr jewesen sien, als ick nach Hause kam. Ick weeß det deshalb so jenau, weil ick mir nämlich schnell die Nagelfeile von oben holen wollte. Ick fahr Ascona mit so Breitreifen, und inner Herrmanstraße baun se ja wie die Teufel., übrigen schon seit Jahren, allet natürlich von unsa Knete. Erst bauen se allet neu und dann reißen se die Straße wieder uff. Na wie jesagt, ick wollt ma den Kies aus de Reifen popeln. Als ick nach oben kam, stand da meine Olle, die Edith, in'ner Küche und rasierte sich grade die Beene, natürlich mit meenen Rasierapparat. Na ick dacht ick tille, da war der Abend schon jeloofen. Und dann haben wa anjefangen zu streiten. Und ick gloobe, so nach ner halben Stunde, ick wollt ma grade 'n Bier aus Eisschrank holen, bin ick über se jestolpert. Ick ha ma schon jewundert, weil um die Uhrzeit is Mutti bei uns immer einjeritten, nach'm Schlesiertreffen. Na und nu lag se da. War mausetot. Ick hab Edith jefragt, wat wa machen können. Und Edith hat jesagt, na nüscht könn wa machen, die liegt schon seit zwee Stunden so da. Und dann sind wa mächtig traurig geworden, die Edith und ich.

Sie war eine Terror Mutti! Ein Opfer klagt an: Jutta (47), Budikerin, Nachbarin von Edith und Hotte

"Ick war's nich, ick weeß von nüscht. Daß die Edith darin verwickelt is, kann ick mir jut vorstellen. Na wat heiß nachgeholfen, so kann man dit gloob ick nich sehen. Eher unterlassene Hilfeleistung würd ick mal sagen, oder so. Aber janz in Vertrauen, der Hotte,, dit is 'n scharfer Kerl, hat die Edith janich verdient. Na mit mein Ollen is ja nüscht mehr los. Ick würd Hotte sofort nehmen, jetzt wo der ooch det viele Jeld bekommt. Dit war schon manchmal zu ville mit der Mutti von Hotte. Na die Alte jing uns ja alle uff die Nerven. Die hat immer so jebrüllt, jden Freitag dit gleiche. Und die Schrankwand mit in die Urne nehmen, reiner Geiz. Die hat wohl jedacht, spart Feuerholz. Dabei war die noch super in Schuß!"