Uptown Tussis

They're doin' it anyway!

Drei szenige Frauen, alle ledig, haben keine Lust mehr, in ihren bisherigen Mittelstandsjobs zu versauern und akribisch Waschzettel aus nachgemachten Designer-Klamotten herauszutrennen. Zwar sehen sie supertrendy aus und schleppen permanent Tüten angesagter Label mit sich herum, aber es ist eigentlich nur alles H&M. Das ist peinlich. Im Grunde können sie nichts wirklich; deshalb tun sie sich zusammen und gründen ein eigenes Büro in Berlin Mitte: Die Mainstream-Agentur für Online Events, Kultur, be-to-be-Commerce and Advanced Agency für face-to-face Marketing und Boom, Start-up-Promotion im Neuen Berlin. Ihr zweiter Auftrag führt sie ins BKA: Sie sollen für die Mitarbeiter des DTNB - Dachverband Tourismus Neue Bundesländer - ein Event zur Motivation veranstalten. Sehen Sie selbst!

Alexandra Schmadalla (36)

startete ihre Karriere als Waschhilfe beim ultra-angesagten Friseur Udo Walz. Nach einem unerwarteten Orgasmus auf der Rückbank eines bis dato schwulen Kollegen schmiß die Schmaldalla ihren Job aus Mobbing-Gründen. Nach einem Zwischenspiel als Metalldetektor am Flughafen Tempelhof, bei dem sie das Piepen von der Pike auf lernte, entschied sich die grazile Rothaarige zum Besuch der Talkshow "Gerda vor Mittag", bei der sie auf die Aufnahmeleiterein Susann Koscholke traf. Es entstand spontan eine innige Freundschaft zwischen den beiden Charlottenburgerinnen. Frl. Schmadalla ist Designertüten-abhängig, zu lange ledig und nach eigenem Bekunden beim Sex eher zu laut.

Susann Koscholke (36)

ist ein Karriere-Girl aus dem Bilderbuch. Als Kind Klavier- und Golfunterricht. Abitur, HdK-Studium, nebenbei Modeljobs für Jil Sander, Chanel und Fa. Ihr außergewöhnlich guter Look verschaffte ihr den Kontakt zu Manni Puup!, der sie als "Puup! des Jahres" einsetzte (1986). 1987 erster Kontakt zum Fernsehen als Stand-in für Evelyn Künneke (die beiden sind bis heute leidlich befreundet). Danach Aufnahmeleiterein diverser Talkshows sowie im Synchronstudio Wenzel Lüdecke. Viele kenne ihre Stimme als die deutsche Stimme des "Denver"-Biests Joan Collins. Ein Treffen mit der Hollywood-Diva gab den Ausschlag für Susanns Luxussucht. Kein Artikel ohne Label kommt in ihr Haus. In der Schlemmer-Etage des KaDeWe ist sie der Bedienung bekannt als Schlemmer-Susi, da sie gerne Salzstangen lutscht. Privat ist Frau Koscholke zum zweiten Mal geschieden, fast immer abgebrannt und tendiert momentan eher zum eigenen Geschlecht.

Angelika Herpel (36)

war schon als Teenager ein ausgekochtes Luder. Das Senkrechtstarter-Girl kann ohne Luxus nicht existieren. Dafür ist ihr jedes Mittel recht. Klamotten von H&M versah sie mit Etiketten teurer und angesagter Designer. Im Armani Outlet traf sie 1994 auf Marc Wohlrabe, den bekannten Mediensohn, der sie in die Hohe Schule des Vorgaukelns einführte. Mit gekonnt weiblicher Rafinesse erwarb die Herpel einen großen Anteil aus Wohlrabes Aktienvermögen, was sie finanziell und sexuell unabhängig machte. Ohne Skrupel legte sie sich die weltweit größte Sammlung an Designer-Perücken zu. Danach trotzte sie der finanziellen Durststrecke durch eine Ausbildung zur Konfektionsfachfrau im KaDeWe, wo sie auch heute noch gerne ißt. An der Gebäcktheke traf sie Susann Koscholke, die sie liebevoll "Die Dralle" nennt. In der Umkleidekabine von Donna Karan entstand die Idee zur eigenen Agentur. In ihrer Freizeit leitet die propere Erfolgsfrau an der Volkshochschule Steglitz Kurse zum Thema "Dasein und Design". Die Herpel lebt mit einem freilaufenden Designersofa zusammen in Berlins angesagter Mitte.